07.09.2018 bis 23.09.2018 im Heine-Haus, Lüneburg
08.09.2018 bis 28.10.2018 im KunstRaum der Kulturstellmacherei in Schneverdingen
Die Schneverdinger Künstlerin Dietlind Horstmann-Köpper hat zusammen mit der Schriftstellerin Tanja Langer ein Zwei-Städte-Kunstprojekt entwickelt, unterstützt von dem Kunsthistoriker und Kurator Wolfgang Siano. In Zusammenarbeit mit dem Kulturverein Schneverdingen und dem Bund Bildender Künstler in Lüneburg sowie weiteren Institutionen in Lüneburg und Schneverdingen findet eine Doppelausstellung mit Rahmenprogramm (Literatur, Film, Gespräche, Stadtführungen, Workshops) zum Thema Erinnern & Vergessen statt.
Vernissage der Ausstellung „Das Haus der Zeit“ im Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg ist am 7. September 2018 um 19.00 Uhr und die Ausstellung „Das Gedächtnis der Dinge“ wird am 8. September 2018 um 17.00 Uhr im KunstRaum der Kulturstellmacherei und gegenüber in der alten Friedhofskapelle in Schneverdingen eröffnet.
Nach Fotografien von alten Gewerken aus den dreißiger und vierziger Jahren, die der Hobbyarchivar Frank Jahn gesammelt und zur Verfügung gestellt hat, haben Künstler der Region gearbeitet.
Sie haben sich künstlerisch mit den alten Fotos auseinandergesetzt und stellen nun zu dem Thema Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen, Objekte und Videoinstallationen aus. Die teilnehmenden KünstlerInnen sind: Marlies Mach, Marlis Hartig, Sabine Larek, Constanze Straub, Ulla Graßt, Hartmut Presse, Jobst Deventer und Ulf Petersen. Die Künstler laden ein, an ihren Werken teilzunehmen und eigene Erinnerungen wach werden lassen.
„Wie erinnern wir uns in digitalen Zeiten?
Welche Rolle spielt das persönliche Gedächtnis, wenn man alles googlen kann?
Wie lässt es sich definieren?
Was bleibt von einem gelebten Leben? Haben Dinge ein Gedächtnis?
Und welche Rolle spielt die Erinnerung bei der Bildung einer persönlichen oder gesellschaftlichen Identität?
Wie formt das Vergessen das Erinnern?“ (Tanja Langer)
All diesen Fragen spürt die Ausstellung nach.
„Die Erinnerung als Aufklärung der eigenen Herkunft“, sagt Wolfgang Siano, „ist die Grundlage für das Verstehen von anderen. Das Gewordensein der eigenen Existenz hängt von anderen ab, es zu begreifen, ermöglicht das Zusammenleben mit den anderen.“
Parallel zu beiden Ausstellungen setzen sich die SchrifstellerInnen Tanja Langer, Wiebke Eden und Hannes Köhler mit dem Thema Erinnern, Erfinden und Erzählen auseinander, in Lesungen, Schreibwerkstätten und workshops auch mit Jugendlichen sowohl in Schneverdingen als auch in Lüneburg.
Diese laden ein zu Interaktionen sowohl der Künstler untereinander als auch mit dem Publikum. Auch das Kino Lichtspiel Schneverdingen ist mit mehreren Filmen zum Thema einbezogen und wartet mit einem Publikumsgespräch mit einem der Hauptdarsteller des Films „Unser letzter Sommer“ auf. Die Ausstellung in Schneverdingen endet am 28. Oktober 2018, 11.30 Uhr mit einer Filmmatinee.
In Lüneburg im Heine-Haus zeigen die bildenden KünstlerInnen Dietlind Horstmann–Köpper (Schneverdingen/Lüneburg), Ursula Blancke-Dau (Lüneburg), Barbara Schnabel (Berlin) und el.doelle (Berlin) ihre Arbeiten zum Thema „Das Haus der Erinnerung“:
- Die Schneverdinger / Lüneburger Künstlerin Dietlind Horstmann-Köpper mit ihrem Zyklus „vie de famille“ (Familienbilder), in dem sie mit malerischen Mitteln der Frage nachgeht, wie sich Erinnerungen an Menschen und Tiere der Kindheit verändern, und wie dynamisch die Klärung der eigenen Herkunft in der künstlerischen Arbeit verlaufen kann.
- Das Berliner Künstlerpaar el.doelle und Barbara Schnabel, das seit vielen Jahren in verschiedenen Arbeiten das Thema Erinnern und Vergessen umkreist, wie in ihrem Projekt „Westgreußen – für immer fort und ganz vergangen“ (2012 Haus am Lützowplatz, Berlin).
- Die Lüneburger Künstlerin Ursula Blancke-Dau befasst sich mit Arbeitswelten und Märchenmotiven, deren Präsenz sich weniger in der Realität als in bereits vermittelten Erinnerungen darstellt.
„Die Lüneburger Ausstellung greift zunächst einmal den Ort auf, das Heinrich-Heine-Haus, zentral gelegen. Es wird für drei Wochen „Das Haus der Erinnerung“, d.h. Ausgangspunkt der Thematisierung. Im Spannungsfeld von individueller und allgemeiner Geschichte soll es darum gehen, das Eigene in der Spur des anderen zu finden. Zum einen vermitteln die konkreten Arbeiten der KünstlerInnen ihre Auseinandersetzung mit der Erinnerung und dem Vergessen, in Familienbildern, vergessenen Arbeitswelten und Märchenmotiven dem Gedächtnis, das in Dingen wohnt, der ästhetischen Befragung von Friedhöfen oder ausgestorbenen Vögeln,“ so die Schriftstellerin Tanja Langer.
Tanja Langer liest aus dem Buch „Das Haus“, das sich auf die Ausstellung bezieht, und Auszüge ihres entstehenden Romans „Die Erfindung der Erzählerin“, der zur Zeit der britischen Besatzung in Lüneburg spielt.
Die Schriftstellerin Wiebke Eden stellt ihren Roman „Die Schatten eines Jahres“ vor, in dem eine ältere, engagierte Friedensaktivistin in ihre Vergangenheit reist: als junge Frau war Mathilde in Barcelona als Spionin für die Nazis tätig. Später wird sie Pazifistin, spricht jedoch nie über ihre Gründe. Im Roman wird ihr Geheimnis langsam aufgerollt.
Die Lüneburger Ausstellung endet am Sonntag, dem 23. September 2018, mit einem Gespräch mit den Beteiligten des Projekts und der Geschichtswerkstatt Lüneburg: „Erinnerung – Wie geht das?“ und mit dem Schriftsteller Hannes Köhler, der aus seinem Roman „Ein mögliches Leben“ liest.
Als Reaktion auf beide Ausstellungen in Schneverdingen und Lüneburg setzten sich Schülerinnen und Schüler beider Städte mit dem Thema Erinnern – Vergessen auseinander und werden ihre künstlerischen Arbeiten am 10. November 2018 im KunstRaum der KulturStellmacherei präsentieren.
Alle Veranstaltungstermine sind zu erfragen in der Kulturstellmacherei in Schneverdingen und unter Telefon: +49 171 6174073.
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