Das Programm für die Landkreise Lüneburg, Harburg, Stade, Rotenburg und Umgebung
Mit über 200 Veranstaltungen in über 112 Denkmalen an 57 Orten lädt die Metropolregion Hamburg zum siebten Mal zu den „Tagen der Industriekultur am Wasser“ ein. Hafenanlagen, Schleusen und Schiffe, Leucht- und Wassertürme, Brücken und Mühlen, Fabriken und Kraftwerke geben am 23. und 24. September Einblicke in die Welt der Industriekultur am Wasser.

Die Tage der Industriekultur am Wasser stellen Orte der Industriegeschichte in der Metropolregion Hamburg vor, die oft weitgehend unbekannt sind. Viele von ihnen sind meist nicht öffentlich zugänglich und öffnen exklusiv an diesem Wochenende. Dabei ist das Programm so vielfältig wie die gesamte Region. Ob für Kultur-, Natur-, Technikbegeisterte oder Familien, für alle ist was dabei. Verbindendes Element bleibt immer eins: das Wasser.
Kreis Lüneburg
Lüneburg
Salz hat Lüneburg einst reich gemacht. Alles dazu lässt sich im Salzmuseumbei einer der Führungen am 23. und 24. September zur Salzgeschichte der alten Hansestadt erfahren. Das Museum ist in dem 1980 geschlossenem Salzwerk, einst eines der ältesten und größten Industriebetriebe Europas, untergebracht. In der Siedehütte, im Außengelände zeigen Salzsieder die mühsame mittelalterliche Salzgewinnung. Mit dem Salzewer geht es an beiden Tagen durch den historischen Hafen, vorbei am Alten Kran und am Alten Kaufhaus. Unterwegs erzählen die Ewerführer vom langen Weg des Lüneburger Salzes nach Lübeck.
Der Neue Wasserturm in Lüneburg entstand 1906/1907, bis 1985 blieb er im Betrieb. Mit seiner Architektur orientiert er sich an der Gotik der benachbarten Altstadt. Heute hat sich der denkmalgeschützte Turm mit seiner Aussichtsplattform in 56 Meter Höhe als ein Wahrzeichen der Stadt etabliert. Im Inneren finden Ausstellungen und Konzerte statt. An diesem Wochenende bieten Schülerinnen und Schüler der benachbarten Oberschule ihre beliebten Wasserturmführungen an. Am Samstagabend findet im Wasserturm mit dem Duo „VeraJoy“ eine spanische Soulnacht statt.
Scharnebeck
Ein Ausflug lohnt zum Schiffshebewerk Lüneburg in Scharnebeck, das 1976 als das größte der Welt in Betrieb genommen wurde. In diesem riesigen Aufzug überwinden die Binnenschiffe in zwei mit Wasser gefüllten Trögen, einen Höhenunterschied von 38 Metern. Im Informationszentrum am Schiffshebewerk veranschaulichen Modelle das Prinzip des Hebens und Absenkens von Schiffen auf einer Wasserstraße.
Amt Neuhaus
Im Amt Neuhaus ist die Eisenbahnbrücke in Preten dabei. Mit ihren drei großen Stahlfachwerkträgern quert sie die Sude. Die Eisenbahnbrücke war das größte Bauwerk der 1912 in Betrieb genommenen Kleinbahn Brahlstorf – Neuhaus, deren Verkehr 1972 eingestellt wurde. Viele Bauten blieben entlang der gut 10 Kilometer langen Strecke erhalten. Bei den geführten Wanderungen zur Eisenbahnbrücke sowie Radtouren entlang der Kleinbahnstrecke werden diese Bauten erkundet. Dabei lässt sich die für die Metropolregion oft typische Kombination aus Industrie und Naturerlebnis genießen. Informationen zur Eisenbahnbrücke über die Sude in Preten gibt es auch im Café „Schwarzes Schaf“ im alten Bahnhof.
Kreis Uelzen
Suderburg
Die Rieselwiesen Suderburg sind auf den ersten Blick nicht als Industriekultur erkennbar. Dabei sind Rieselwiesen eine frühe Form der industrialisierten Landwirtschaft: Das Wasser wird auf die Wiesenrücken geleitet und fließt die Seiten hinab. Alles zum Thema Wasser in der Region erfährt man auf der Rundwanderung am 23. September. Wie die Bewässerungsanlage funktionierte, wird ebenfalls vorgeführt. Ebenso wird gezeigt wie eine Kulturlandschaft mit Drohne und 3D-Drucker dokumentiert wird – ein spannendes Projekt der Ostfalia Hochschule Suderburg. Gleichzeitig basteln Kinder Boote und erkunden die Natur an Hardau und Olmsbach mit Sieb und Becherlupe.
Kreis Harburg
Winsen (Luhe)
Der Hafenplatz für Winsen und die Marsch, in dem landwirtschaftliche Güter und Baustoffe umgeschlagen wurden war der Hafen Stöckte an der Luhe. Im Ortsteil Hoopte befindet sich seit 1889 der Werftplatz der Schiffswerft Eckhoff. Hier werden Binnenschiffe instandgehalten. Am Sonntag werden Rundgänge durch den Hafen angeboten. Anschließend führt der Schiffbaumeister in 4. Generation über seine Werft und zeigt die dort anfallenden Arbeiten.
Seevetal
Entlang der niedersächsischen Mühlenstraße warten vielfältige Mühlen und ihre Geschichten auf einen Besuch. Die Wassermühle Karoxbostel bei Hittfeld im Seevetal ist eine davon. Mit ihrem bestehenden Inventar ist sie ein Kleinod der ländlichen Kulturgeschichte das es zu entdecken gilt. An beiden Tagen kann die Mühle besichtigt werden und Mitglieder des Mühlenvereins führen stündlich durch das Denkmal-Ensemble.
Moisburg
Die Amtswassermühle in Moisburg von 1723 ist eine der letzten funktionstüchtigen traditionellen Mühlen in Norddeutschland. Die Mühle wird am 24. September in Betrieb genommen. Es finden Führungen durch die Mühle und die Ausstellung der regionalen Mühlengeschichte statt. Für Kinder liegen Handmühlen bereit, an denen sie sich selbst beim Mahlen probieren können.
Heidekreis
Eickeloh
Idyllisch im Allertal gelegen befindet sich die Gierseilfähre Eickeloh. Sie nutzt allein die Kraft der Wasserströmung, um über die Aller zu pendeln. Eine erste Fähre an dieser Stelle gab es bereits um 1700. Die heutige Fähre wurde 1925 gebaut. Am 24. September kann man mit ihr über die Aller setzen.
Soltau
Mitten in Soltau am Fluss Böhme wird seit über 150 Jahren von der Firma Röders Filz produziert. Im alten Lagerhaus der Filzfabrik ist mit viel ehrenamtlichen Engagement die Filzwelt Soltau eingezogen. In der 1877 erbauten Lagerhalle findet sich heute ein Mitmachmuseum, das den vielfältigen Einsatz und die Herstellung von Filz zeigt. Am 23. September wird bei einem Industrie- und gartengeschichtlichen Spaziergang die Stadtgeschichte Soltaus thematisiert.
Kreis Stade
Grünendeich
Neu dabei ist die Seefahrtsschule Grünendeich. Hier wurden seit 1851 Steuerleute ausgebildet. Kapitän Peter Porath betrieb diese Navigationsschule auf private Rechnung: 1856 verstaatlichte das Königreich Hannover seinen Betrieb. 1858 bekam er ein eigenes Schulgebäude mit Flachdach für die Beobachtung des Sternenhimmels. Hundert Jahre später wurde auf dem Flachdach eine Kapitänsbrücke eingerichtet und im Keller ein Planetarium, das 1980 den heute noch vorhandenen Projektor „Zeiss-Kleinplanetarium II“ erhielt. 2002 stellte sie endgültig ihren Betrieb ein. Allein seit 1950 waren hier etwa 4.000 Nautiker ausgebildet worden. 2003 zog die Arbeitsgemeinschaft Maritime Landschaft Unterelbe in die alte Seefahrtsschule ein und pflegt ihr Erbe. Am 24. September werden mehrere spannende Führungen angeboten: Zur regionalhistorischen Bedeutung des Hauses; zur Funktionsweise des alten analogen Projektors sowie zu der Nutzung des Sternenhimmels in der Nautik und Kapitäne a. D. erläutern die Ausbildung an der Seefahrtsschule.
Stade
Stade ist mit seinem Stadthafen dabei. Im Industriezeitalter reichte der Hafen in der Altstadt nicht mehr aus; deshalb wurde unmittelbar vor der Stadt 1882 der Stadthafen angelegt. Einiges des ehemaligen Hafenensembles ist noch erhalten. Der Kranmeister erläutert die technischen Objekte und bietet Führungen rund um und auf den Portalkran von 1927 an. „Open Ship“ heißt es das ganze Wochenende auf der »Greundiek«. Das Küstenmotorschiff wurde 1949/1950 von der Rickmers-Werft in Bremerhaven gebaut und 1994 als Museumsschiff übernommen.
Der Giekewer »Frida« freut sich am 23. und 24. September ebenfalls auf Gäste. Ewer waren einst die Arbeitspferde der Küstenschifffahrt. Die »Frida«, mit einem Mast, ist ein gut erhaltenes Beispiel dafür. Das Schiff kann besichtigt werden und am Samstag werden kurze Ausfahrten bis zur Elbe angeboten.
Buxtehude
In der Wassermühle Ovelgönne in Buxtehude wurde seit 1674 Korn gemahlen. Am 24. September lässt sich alles auf eigene Faust, oder mit einer Führung durch die Mühle erkunden.
Das Buxtehude Museum erzählt die Geschichte der Stadt. Am Sonntag werden Führungen zu 300 Jahren Papierherstellung in Altkloster angeboten und es geht um die Entwicklung vom Gerberhandwerk zur Lederfabrik.
Der mitten in Buxtehude festgemachte Ewer »Margareta« steht für die die seit dem 13. Jahrhundert bis in das Stadtzentrum betriebene Schifffahrt. Am 23. und 24. September sind alle zum „Open Ship“ eingeladen. Es gibt Führungen mit Fakten sowie Seemannsgarn und Filme und Dias der »Margareta« werden gezeigt.
Osten/Hemmoor
Die 1909 in Betrieb genommeneSchwebefähre zwischen Osten und Hemmoor ist mit ihrem 38 Meter hohen Portal aus Stahlfachwerk das markanteste Bauwerk im Elbe-Weser-Dreieck. In der Fährstuv, dem völlig neu gestalteten Museum der Schwebefähre, wird die Sonderausstellung „Mit Dampf gerammt – schwebende Fundamente für die schwebende Fähre“ anlässlich 115 Jahren Fundamentbau der Schwebefähre gezeigt.
Estorf-Gräpel
Die Prahmfähre in Estorf-Gräpel wird, wie vor 105 Jahren, noch per Hand über das Wasser gezogen. Die Fährmänner informieren über die Technik und die Hafengeschichte und wer möchte, kann unter Anleitung selbst Hand anlegen.
Kraneburg
Das besondere an vielen Industrieobjekten ist neben dem Denkmal selbst das damit verbundene Naturerlebnis. In Kraneburg z. B. verdankt die Prahmfähre Brobergen ihrer Abgeschiedenheit das Überleben. Der Bau einer Brücke hätte sich hier nicht gelohnt. Die Fährleute erläutern beim Überqueren den Fährbetrieb.
Drochtersen
In Drochtersen im Ortsteil Gauensiek ist ein historisches Hafenensemble mit Hafenbecken, Werft, Schöpfwerk und einer voll funktionsfähigen Spülschleuse erhalten. Jeweils an den Nachmittagen stehen Mitglieder des Fördervereins für Informationen zur Verfügung und erzählen Wissenswertes über die Spülschleuse und den Hafen. An beiden Tagen wird der Spülvorgang an der Schleuse präsentiert.
Freiburg an der Elbe
Der Hafen von Freiburg an der Elbe war einst der Umschlagsplatz für Getreide, Heu und Ziegelsteine. Am 23. September gibt es einen geführten Rundgang durch den Freiburger Hafen. Es geht um den Wandel des Hafens und die Herausforderungen eines Tidehafens inklusive Spülschleuse und Bassin. Auch der historische Kornspeicher wird besichtigt. Anschließend steht die 1861 gegründete Bootwerft Hatecke auf dem Programm. Seitdem ist der in fünfter Generation geführte Familienbetrieb auf den Bau von Holzbooten spezialisiert. Zum Abschluss gibt es eine Ausfahrt auf einem historischen Pfahlewer oder einem Börteboot.
Wischhafen
Nur ein paar Kilometer weiter in Wischhafen lohnt ein Abstecher in den Hafen. Dort befindet sich in einem Hafenspeicher aus dem 19. Jahrhundert das Kehdinger Küstenschiffahrtsmuseum. Hier wird die Hafengeschichte Wischhafens veranschaulicht. Am 23. September führt, der Hafenmeister durch den alten Küstenschifferhafen. Aktuell ist die Ausstellung zur Geschichte des 100-jährigen Luxemotors »Katrina«, die als Frachtsegler lange auf der Elbe unterwegs war, zu sehen. Zu den Vertiefungen und Flusskorrekturen der vergangenen 200 Jahre wird ebenfalls eine Sonderausstellung gezeigt.
Das 1956 erbaute Küstenmotorschiff »Iris Jörg« wurde bis 2002 für Frachtfahrten eingesetzt. Mit seiner niedrigen Bauweise und den klappbaren Masten konnte es bis weit ins Binnenland verkehren. Jetzt liegt es im Hafen und die ehrenamtliche Mannschaft bietet „Open Ship“ an.
Balje
In Balje wurde der „Alte Leuchtturm Balje“ 1904 in Betrieb genommen. Als Leitfeuer ging er in Betrieb, nach einer Veränderung des Fahrwassers diente er als Quermarkenfeuer. 1979 wurde das Leuchtfeuer abgeschaltet. Samstag wie Sonntag kann der Leuchtturm besichtigt werden und Führungen finden statt.
Hollern-Twielenfleth
Ein weiterer Leuchtturm befindet sich in Hollern-Twielenfleth. Das Unterfeuer wurde 1893 in Betrieb genommen. Der kleine Leuchtturm wurde zwischenzeitlich innerhalb der Deichlinie neu aufgestellt. Der Turm kann erklommen werden, Erläuterungen werden angeboten und das Museum mit Schiffsmodellen freut sich auf zahlreiche Gäste.
Kreis Rotenburg (Wümme)
Scheeßel
Eng verzahnt mit Industrie und Wasser sind Mühlen. In der Region zwischen Buxtehude und Rotenburg finden sich einige beeindruckende Exponate. Die Wassermühle in Scheeßel markiert den Übergang von einer traditionellen Getreidemühle zu einem Industriebetrieb. Sie war 170„Jahre bis 1999 in Betrieb und blieb mit ihrer Technik erhalten. An diesem Wochenende werden ihre Turbinen und der Dieselmotor gestartet, Führungen werden angeboten und bei Voranmeldung wird Korn gemahlen.
Gnarrenburg
Das Glasmuseum Gnarrenburg veranschaulicht die Erfolgsgeschichte der Gnarrenburger Glasindustrie. Es ist im alten Bahnhofsgebäude untergebracht, das nach Plänen von Heinrich Vogeler 1909 erbaut wurde. Einst gab es vier„Glashütten im Ort. Die 1976 stillgelegte Marienhütte war die größte. Am Sonntag zwischen 14:00 und 18:00„Uhr hat das Museum geöffnet und alles dreht sich um die Glasindustrie und den Oste-Hamme-Kanal.
Augustendorf
Gut sechs„Kilometer weiter, auf dem Historischen Moorhof Augustendorf, ist Torf das beherrschende Thema. Aus dem Teufelsmoor nordöstlich von Bremen ist lange Zeit ein wichtiger Brennstoff gekommen: Mit Torf wurden Wohnhäuser beheizt und Fabriken betrieben. Der Moorhof steht am Wochenende zur Besichtigung offen. Zum „Leben und Wirken im Moor um 1910“ werden Führungen angeboten.
Bremervörde
Ein weiteres Highlight in der Region öffnet am 24.„September seine Tore: die Ziegelei Pape in Bremervörde. Mit dem Ringofen, Maschinenhaus und der zu einem idyllischen See umgewandelten Lehmkuhle, ist es eine Ziegelei zum Anfassen. In dem heutigen Museumsbetrieb wurden von 1840 bis 1973 Backsteine gebrannt. Die alten Maschinen werden in Betrieb genommen, Führungen werden angeboten und mit der kleinen Feldbahn geht es zur Lehmkuhle. Im Lehmklassenzimmer können Handstrichziegel unter Anleitung gefertigt werden.
Das ausführliche Programm zu allen Anlagen und Museen der Industriegeschichte in der Metropolregion Hamburg liegen in allen teilnehmenden Denkmalen und Museen und in den meisten ➔ Tourismusinformationen der Metropolregion aus.
Weiterführende Links
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Die „Tage der Industriekultur am Wasser“ werden alle zwei Jahre von der Metropolregion Hamburg organisiert. Das ausführliche Programm zu allen Anlagen und Museen sowie weitere Informationen zur Industriegeschichte sind verfügbar unter: ➔ www.tagederindustriekultur.de










