Holzbank in der blühenden Heidelandschaft der Lüneburger Heide

„Krabbelnde Komplizen – Insekten in der Landwirtschaft“ | Neue Sonderausstellung im Freilichtmuseum am Kiekeberg ab 23. März 2019

Ob im heimischen Garten, im Wald oder in der Landwirtschaft – Insekten sind überall zuhause. Welchen Nutzen erfüllen sie und welchen Schaden richten sie an? Antworten darauf erhalten Besucher der neuen Sonderausstellung „Krabbelnde Komplizen – Insekten in der Landwirtschaft“ noch bis zum 17. November 2019 im Freilichtmuseum am Kiekeberg.

Neue Sonderausstellung „Krabbelnde Komplizen" ab 23. März 2019.<br> © Stiftung Freilichtmuseum am Kiekberg
Neue Sonderausstellung „Krabbelnde Komplizen“ ab 23. März 2019.
© Stiftung Freilichtmuseum am Kiekberg

Sie lernen heimische Arten kennen und erfahren, wie das Leben der Insekten mit der landwirtschaftlichen Nutzung vereinbar ist. Insekten als Lebensmittel sind ebenfalls Thema der Ausstellung.

Die Welt der heimischen Insekten besser kennenlernen

Insekten gehören zu den ältesten und artenreichsten Tieren der Erde. „Seit 400 Millionen Jahren gibt es sie, uns Menschen erst seit 300.000 Jahren“, betont Maximilian Leroux, stellvertretender Vorsitzender des Stiftungsrates vom Freilichtmuseum, bei der Ausstellungseröffnung. „Wir freuen uns über weniger verklebte Autoscheiben, dabei sind Insekten die Basis unseres Daseins. Denn ohne Bestäubung keine Nahrung.“ Welche Lebensmittel nur durch Bestäubung möglich sind, veranschaulicht ein gut gefüllter Einkaufswagen in der Sonderausstellung.

Einkaufswagen durch Bestäubung erzeugte Lebensmittel in der Ausstellung „Krabbelnde Komplizen“ Bild: FLMK
Einkaufswagen durch Bestäubung erzeugte Lebensmittel in der Ausstellung „Krabbelnde Komplizen“
Bild: FLMK

Vergrößerte Darstellungen widmen sich dem Leben einzelner Exemplare: So organisiert sich die dunkle Erdhummel mit 600 Individuen zum größten Hummelvolk. Nachkommen der Gestreiften Quelljungfer leben sechs Jahre als Larve bevor sie sich zur Libelle verwandeln. Hier betrachten große und kleine Besucher aus der Nähe, worin sich die Insekten-Präparate unterscheiden und wie ein Wespennest aussieht. Ein Bienenkalender erklärt den Interessierten, wann die fleißigen Immen ausfliegen, ihren Honig herstellen oder ihre Brut pflegen.

Auf der anderen Seite richten Insekten auf dem Feld und im Wald auch Schaden an. Die Ausstellung zeigt landwirtschaftliche Geräte gegen die Nachteile durch Insekten, wie eine historische Obstspritze. Besucher lernen den Buchdrucker, einen Borkenkäfer, kennen, der in der Forstwirtschaft zu den am meisten gefürchteten Schädlingen zählt.

Blick in die Ausstellung „Krabbelnde Komplizen“ im Freilichtmuseum bis 17.11.2019 Bild: FLMK
Blick in die Ausstellung „Krabbelnde Komplizen“ im Freilichtmuseum
Bild: FLMK

Besucher lernen einzelne Insektenarten besser kennen. Sie bemerken, worin sich die Insekten-Präparate unterscheiden und wie ein Hornissennest aussieht. So geht es auch Stefan Zimmermann, Direktor des Freilichtmuseums am Kiekeberg: „Ich habe gelernt, dass eine Libelle als einziges Fluginsekt rückwärts fliegt und ihre Nachkommen sechs Jahre als Larve existieren, bevor sie ein Jahr als Libelle leben.“

Das Museum gibt seinen Besuchern auch praktische Tipps mit: „Im Landwirtschaftlichen Entdeckergarten hat unser Museumsgärtner Matthias Schuh bereits eine Blühwiese und natürliche Nisthilfen angelegt. Auch vor dem Fischerhaus zeigen wir, welche Pflanzen gut für Insekten sind und was jeder Einzelne im Kleinen tun kann.“

Rudolf Meyer, Stellvertretender Landrat des Landkreises Harburg, freut sich in seiner Rolle als Bauer über die „Krabbelnden Komplizen“ am Kiekeberg: „Insekten sind für die Land- und Forstwirtschaft sehr wichtig. Aber Fliegen, Käfer, Kakerlaken haben keinen guten Ruf. Das war schon in meiner Kindheit so, als es im Stall und auf der Butter vor ihnen wimmelte. Doch ihr Rückgang macht mir keine Freude.“ In der Ausstellung berichten Experten an Medienstation aus Gartenbau, Politik, Ernährung, und Imkerei über die Zukunft der Insekten.

Rudolf Meyer ist sich sicher: „Wir stehen bei der Ursachenforschung noch am Anfang. Klar ist, die Landschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Bauern, die Misthaufen, Brennesselflächen und Blühstreifen haben, helfen den Insekten.“

Die Kuratorin Katrin Hartmann ergänzt: „Ein relativ neues Thema in Deutschland sind Insekten als Lebensmittel. Beispiele sind etwa die Europäische Wanderheuschrecke oder Mehlwürmer. Besucher können sie bei uns im Museumsladen kaufen oder im Café Koffietied probieren.“

Die Ausstellung läuft bis zum 17. November 2019.

Das Museum ist Dienstag bis Freitag von 9.00 bis 17.00 Uhr und am Wochenende sowie feiertags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro, für Besucher unter 18 Jahren ist er frei.

Weitere Termine zur Sonderausstellung:

  • Podiumsdiskussion: „Winzige Helfer – sind unsere Insekten noch zu retten?“
    Mittwoch, 8. Mai, 18.00 bis 20.00 Uhr, Eintritt frei

  • Sonntags im Museum: „Mahlzeit!“ Kochen mit Insekten, mit der Landfrau Sonja Freitag
    Sonntag, 5. Mai, 10.00 bis 18.00 Uhr, im Museumseintritt inbegriffen

  • Sonntags im Museum: „Natürlich!“ Führungen mit dem Museumsimker Clemens Tandler
    Sonntag, 26. Mai und Sonntag, 28. Juli, 11.00 und 14.00 Uhr, im Museumseintritt inbegriffen

  • Vortrag: „Wildbienen: Vielfalt der Arten, Vielfalt der Ansprüche“ mit Manuel Pützstück, Deutsche Wildtier Stiftung
    Sonntag, 18. August, 14.00 Uhr, im Museumseintritt inbegriffen

  • Führungen durch die Sonderausstellung mit Kuratorin Katrin Hartmann
    Sonntag, 18. August, 11.00 Uhr und Sonntag, 22. September, 11.00 und 14.00 Uhr, im Museumseintritt inbegriffen


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