Museum Lüneburg prüft seine Bestände auf NS-Raubkunst
„Bei meinem nächsten Besuch in London werde ich noch einmal nach der Herkunft fragen; ich bin jedoch nicht sehr optimistisch, dass viel dabei herauskommt.“ So schreibt 1961 ein Verkäufer über den unklaren Hintergrund eines Ankaufs für das Lüneburger Museum.
Und genau das hat Historikerin Anneke de Rudder gemacht: Sie hat die Bestände des Museum Lüneburg systematisch auf ihre Herkunft und den Verdacht auf NS-Raubkunst überprüft.
Werkstattausstellung „Noch einmal nach der Herkunft fragen…“
Vom 26. Januar bis 4. März 2018 gibt die Werkstattausstellung „Noch einmal nach der Herkunft fragen…“ nun einen Einblick in die Methoden, Recherchen und Ergebnisse der Provenienzforschung in Lüneburg. Anders als in großen Kunstmuseen geht es hier nicht um wertvolle Gemälde oder Skulpturen, sondern vorrangig um Alltagsgegenstände, Möbel und Kunsthandwerk.
Im Mittelpunkt stehen die Geschichten hinter den Objekten: Welche Biografien sind mit ihnen verbunden? Wie gelangten die Stücke über Auktionen und Kunsthandel nach Lüneburg? Und wie ernst hat das Lüneburger Museum jeweils die Frage nach der Provenienz, also ihrer Herkunft, genommen?
Entlang dieser Fragen haben sich die Recherchen des vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Projekts in den vergangenen Jahren bewegt. Die Ausstellung zeigt, wie Provenienzforschung vor Ort abläuft – mal ist sie spannende Detektivarbeit, mal bewegende Familienforschung, mal detaillierte Quellenanalyse – und was sie mehr als siebzig Jahre nach Kriegsende zur Lokal- und Museumsgeschichte beitragen kann.
Begleitprogramm
Im Begleitprogramm der Ausstellung finden drei Vorträge im Marcus-Heinemann-Saal (Eingang Wandrahmstraße 10) des Museums statt:
- Am 8. Februar 2018 erzählt Anneke de Rudder von „Guten Geschichten: NS-Raubkunst im Film“.
- Ulrike Kannengießer berichtet am 22. Februar 2018 aus eigener Erfahrung über „Ein Buch aus der Zarenresidenz: Zur Rückgabe von Beutekunst nach Russland“.
- „Von Vereinsfahnen, Federschmuck und „Judensilber”: Provenienzforschung in öffentlichen und privaten Sammlungen in Südniedersachsen“ lautet der Titel des Vortrags von Dr. Christian Riemenschneider am 1. März 2018.
Die Vorträge beginnen jeweils um 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Mehr Info unter ➔ www.museumlueneburg.de/auss/a18_provenienz.htm
Besucher, die nur die Sonderausstellung besuchen möchten, bezahlen 3,00 € – ansonsten ist die Ausstellung im regulären Museumsticket enthalten.
Das Museum Lüneburg hat dienstags, mittwochs und freitags von 11.00 bis 18.00 Uhr, donnerstags von 11.00 bis 20.00 Uhr und an Samstagen und Sonntagen von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Weitere Informationen sind unter ➔ www.museumlueneburg.de erhältlich.
Hintergrund
Schon lange gehört es zum Alltag von Museen, die Herkunft, „Provenienz“, von Sammlungsstücken zu erforschen. Seit einiger Zeit konzentriert sich Provenienzforschung auf Objekte, die in der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 geraubt oder unter Verfolgungsdruck veräußert worden sein könnten.
Grundlage dafür ist die Washingtoner Erklärung von 1998. Ihre Unterzeichnerstaaten verpflichten sich darin, in öffentlichen Institutionen nach NS-Raubkunst zu suchen, die Eigentümer und Erben ausfindig zu machen und „gerechte und faire Lösungen“ zu finden. Die Bundesrepublik nimmt diese Selbstverpflichtung sehr ernst und fördert seit Jahren Projekte zur Provenienzforschung in Museen und Bibliotheken.
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