„…angekommen in Deutschland“, eine Ausstellung des syrischen Künstlers Hajar Issa, wird am 16. Juni 2018 um 15.00 Uhr in der Propsteihalle des Klosters Ebstorf eröffnet.
Hajar Issa wurde am 31. Juli 1970 in Kameshli geboren. Er wuchs in Damaskus auf, machte dort Abitur und studierte anschließend an der Fakultät der Schönen Künste. Nach Abschluss des 4-jährigen Studiums arbeitete er an der Universität als Dozent für Grafikdesign.
Er war Mitglied der Union Syrischer Künstler und nahm an vielen Gemeinschaftsausstellungen in seinem Heimatland, in Frankreich, Dubai, Beirut, Ägypten, in der Türkei und Russland teil. In vielen Ländern fanden darüber hinaus Einzelausstellungen statt.
Aber nicht allein die Malerei begeisterte ihn, sondern seine Arbeit als Art Director bei Film und Fernsehen bildete einen weiteren Schwerpunkt in seinem Leben. Er war an über 50 meist historischen Filmen und Fernsehserien beteiligt.

Die Krönung seiner Tätigkeit erfuhr er 2009, als er von 100 Nominierten den „Addounia“ – das ist der Oscar im arabischen Raum – für seine Arbeit als Art Director in Damaskus erhielt.
Der Künstler hatte ein gutes Leben mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen in Syrien: Ein wunderbarer Job, ein schönes Haus, ein hohes Ansehen, es fehlte ihm an nichts! Seine Berühmtheit in der arabischen Welt schützte ihn aber nicht davor, immer wieder inhaftiert zu werden. Nach seinem letzten regimekritischen Film, der in der Türkei gedreht wurde, kehrte keiner der Beteiligten nach Syrien zurück, denn ihnen allen drohten harte lange Haftstrafen.
So flüchtete Hajar Issa und verließ schweren Herzens seine Frau Razan und seine beiden Söhne Aram und Alan. Nach einer beschwerlichen Flucht kam er 2015 in Wentorf bei Hamburg an und lebte in der Asylanten- und Flüchtlingsunterkunft in einem ehemaligen Klassenraum zusammen mit fünf weiteren syrischen Flüchtlingen.
Hajar Issa hatte alles verloren – er war stark traumatisiert und depressiv – seine Zukunft erschien ihm sinn- und ziellos. Durch das Malen – finanziert durch Spenden – schöpfte er nach und nach wieder Mut. Er malte fast manisch – Tag und Nacht. So entstanden in wenigen Monaten über 50 Bilder. Er malte seine Träume, Wünsche, Erinnerungen, den Verlust, die Zerstörung und immer wieder seine Kinder und seine Frau.
Seit November 2016 ist die Familie wieder vereint, sie leben in ihrer eigenen Wohnung und Hajar Issa ist ein glücklicher Mann, der jede Sekunde das Zusammenleben mit Frau und Kindern genießt. Der dankbar ist, dass sie gemeinsam in Frieden und Freiheit in Deutschland leben können und sie wieder eine lebenswerte Zukunft vor sich haben.
Seine Bilder beeindrucken durch die Farbgestaltung, sie leuchten in einer großartigen Farbenpracht. Sie machen nachdenklich, neugierig, sie ergreifen und ebenso begeistern sie den Betrachter. Die in Deutschland entstandenen Arbeiten konnten schon in einigen Ausstellungen u. a. in Lauenburg, Reinbek, Hamburg und Berlin gezeigt werden.
Vom 16. Juni 2018 bis zum 5. August 2018 wird eine Auswahl seiner Bilder im ➔ Kloster Ebstorf in der Propsteihalle zu sehen sein.
Der Eintritt ist frei.
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