„Wie läuft das jetzt eigentlich im Museum?? Wenn keine Gäste kommen, habt ihr doch gar nichts mehr zu tun, oder?!?“ Diese oder ähnliche Fragestellungen haben alle Mitarbeiter*innen des Deutschen Pferdemuseums in den letzten Tagen vielfach aus dem Bekanntenkreis gehört.

Foto: Deutsches Pferdemuseum e.V.
Wegen der Corona-Pandemie ist auch das Deutsche Pferdemuseum in Verden seit fünf Wochen für den Publikumsverkehr geschlossen. Bereits vor Inkrafttreten der behördlichen Anordnungen hatte die Museumsleitung in Abstimmung mit dem Vorstandsvorsitzenden Rainer Kiel entschieden, das Museum bis auf weiteres zu schließen, um damit einen Beitrag gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu leisten.
Neuplanung für Veranstaltungen und Sonderausstellungen
Alle geplanten Veranstaltungen, wie Vorträge und Workshops, sowie sämtliche Angebote der Museumspädagogik (Führungen, Kindergeburtstagsfeiern, Ferienaktionen, etc.) wurden bis in den Mai hinein abgesagt. Auch der für Ende Mai in Kooperation mit dem FN-Verlag vorgesehene Themenabend „Donnerhall – der Jahrtausendhengst“ ist in Abstimmung mit dem Verlag verschoben. „Die Schließung und die Absagen des Veranstaltungsprogramms sind sehr schmerzlich. Wir bedauern dies sehr – vor allem, weil wir im Januar und Februar mit sehr guten Gästezahlen ins neue Jahr gestartet sind und auch die Veranstaltungen im März und April teils schon ausgebucht waren“, fasst Ina Rohlfing die Situation zusammen. „Im leeren Museum zu stehen, ist schon traurig. Trotz allem sind die angeordneten Maßnahmen zu Eingrenzung des Virus natürlich absolut notwendig und nachvollziehbar.“
Nun gilt es Ersatztermine für die abgesagten Veranstaltungen zu finden und die Planungen für die Sonderausstellungen 2020 voranzutreiben. Das gesamte Team hofft, dass das Museum am Holzmarkt unter Berücksichtigung der entsprechenden Auflagen möglichst bald wieder öffnen darf – zumindest für Individualbesucher. „Zutrittskontrollen sind ohnehin Standard im Museumsalltag und mit seiner Ausstellungsfläche von 1.600 qm bietet das Museum ausreichend Platz für einen entspannten Museumsbesuch unter Wahrung der vorgegebenen Abstandsregelungen“, so Rohlfing. „Wir würden uns freuen, wenn wir zusammen mit den anderen Museen im Stadt- und Kreisgebiet der hiesigen Bevölkerung eine angenehme Abwechslung im zumeist fordernden Corona-Alltag bieten könnten.“
Keine Langeweile für das Museumsteam
Bis zur Wiedereröffnung kommt beim Museumsteam trotz fehlender Gäste keine Langeweile auf. So wird die Zeit beispielsweise genutzt, um in der Ausstellung Vitrinen zu öffnen, Exponate zu kontrollieren, zu pflegen und neu anzuordnen. Der so genannte Stuckraum, der einen Teil der pferdekundlichen Bibliothek beinhaltet, und auch als städtisches Trauzimmer genutzt wird, erstrahlt nach einer umfassenden Reinigung im neuen Glanz. Über mehrere Tage wurden allein in diesem Raum hunderte historischer Bücher abgesaugt und begutachtet.
Mitarbeiter des Museumsshops helfen nun im Fotoarchiv aus und unterstützen dort den zuständigen Kollegen Christoph Neddens bei der Inventarisierung und Dokumentation eines umfassenden Fotobestandes aus dem Nachlass der bedeutenden Fotografenfamilie Menzendorf. Dank der finanziellen Unterstützung der Niedersächsische Sparkassenstiftung und der Kreissparkasse Verden wird die wohl bedeutendste und älteste Fotosammlung rund ums Thema Pferd mit über 400.000 Aufnahmen heute im Deutschen Pferdemuseum verwahrt und genutzt. Die Berliner Familie hat über einen Zeitraum von 100 Jahren ein einzigartiges und bedeutendes Fotoarchiv aufgebaut, das die Geschichte von Pferdesport und Zucht in Deutschland ab 1900 eindrucksvoll und nahezu lückenlos dokumentiert.

Foto: Deutsches Pferdemuseum e.V.
Derweil kümmert sich Christine Rüppell als wissenschaftliche Leiterin um die Inventarisierung von Neuzugängen in der Museumssammlung. Sie nimmt die Objekte sorgfältig in Augenschein, vermisst, fotografiert, bewertet den Erhaltungszustand, vergibt Inventarnummern, bestimmt Art und Ort der Lagerung und hält alles in der Sammlungsdatenbank fest. Zugleich ist sie als Ausstellungskuratorin für die inhaltliche Ausarbeitung der nächsten Sonderausstellung zuständig, entwickelt Konzept und die Story der Ausstellung, schreibt Texte, recherchiert Ausstellungsobjekte und organisiert den Leihverkehr. Museumspädagogin Maren Lippitz erarbeitet Programme und Aktionen für Kindergruppen, Schulklassen und Familien und schaut, wie sich Ausstellungsinhalte zielgruppengerecht vermitteln lassen.
Der Museumsalltag ist vielfältig und gespickt mit den unterschiedlichsten Aufgaben und Anforderungen. Allerdings findet der überwiegende Teil der täglichen Arbeit im Depot, den Archiven, der Ausstellungsplanung, der Veranstaltungsorganisation, der Verwaltung und der Vermittlung mehr oder weniger im Verborgenen statt. Nur ein kleiner Teil der musealen Arbeit wird öffentlich wahrgenommen. Das sind dann vorwiegend die Resultate mehrwöchiger oder monatelanger Vorarbeiten: neue Sonderausstellungen, Vorträge, Workshops, Lesungen, Ferienaktionen, Kindergeburtstagspartys, Vereinsangebote, Rätselrallyes,… Zu tun gibt es für das Team des Deutschen Pferdemuseums also immer was, auch montags, und auch zu Corona-Zeiten…
Dennoch fiebern alle dem Tag entgegen, an dem der ganz normale Museumalltag wieder beginnt, das Licht in den Ausstellungsräumen wieder angeht, die Eingangstüren geöffnet und die Museumsgäste begrüßt werden können.










