Ruthild Tillmann (* 18.05.1939) hat ein außergewöhnliches Hobby: Sie sammelt Sand.
Ihren ersten Sand brachte sie von Lanzarote mit. Sämtliche Tüten, die sie gerade zur Verfügung hatte, füllte sie mit dem schönen roten Sand. Mittlerweiler benutzt sie Plastikflaschen, die herumliegen: „Die sind ökologischer und haben seltener Löcher“, erklärt die Künstlerin. Ihre Sammelleidenschaft ist schuld daran, dass sie oft mit schweren Koffern aus dem Urlaub heimkehrt: „Einmal musste ich 300 Euro für das Übergepäck zahlen.“ Auch Freunde und die Familie sammeln mittlerweile für sie. Im Atelier gibt es Sand aus der Karibik, Thailand, Südafrika, vom Kleopatra-Strand in der Türkei, Lappland, Niger, vom Vesuv in Italien.

Ruth Tillmann
Es müssen aber nicht unbedingt Funde aus fernen Ländern sein. Zur Sammlung gehört auch Sand vom Allersee und aus Sülfeld. Der hat eine besonders schöne Farbe: Curry. In ihrer Sammlung überwiegen die Weiß-, Braun- und Schwarztöne.
„Wenn ich durch die Natur – oder am Strand entlanggehe, habe ich meine Augen immer weit offen. Während ich sie über den Boden streifen lasse, entdecke ich die besonderen Gaben gerade vor meinen Füßen. Ich beuge mich hinunter, – eine Geste des Respekts vor Mutter Erde – hebe sie dankbar auf und betrachte sie aufmerksam.“

Ruth Tillmann
Ruthild Tillmann hat sich bei der Materialwahl für künstlerische Arbeiten vorwiegend auf Sand und Steine (manchmal auch Muscheln) reduziert, wovon ihr aber eine sehr große Fülle zur Verfügung steht. Tillmann lässt sich vom Leben inspirieren. Für die pensionierte Wolfsburger Studienrätin sind die feinen Sandkörner Rohstoff ihrer Kunst, um Bilder zu kreieren. Mit Zahnkamm oder Spachtel lässt sie dem Sand seinen Lauf – abwartend, wohin er auf seiner Reise fällt und wie er sich formt.
Die Idee, Bilder auf diese ungewöhnliche Weise anzufertigen, verdankt Tillmann einer früheren Schulklasse: „Meine Schüler haben mit Sand wunderbare Bilder hergestellt“. erinnerte sie sich. „Da habe ich mir gedacht, dass muss ich auch versuchen.“ Nach ihrer Pensionierung begann sie damit, eigene Ideen umzusetzen. Mittlerweile hat sie in ihrem Atelier hunderte von Gläsern, Plastikflaschen und andere Gefäße voll Sand aus aller Welt.
In Wolfsburg, Wolfenbüttel, Schöppenstedt und sogar in Kairo waren die imposanten Arbeiten schon zu sehen. „Ein Bild habe ich dem koptischen Papst Schenouda in Ägypten geschenkt“, so die Künstlerin. Durch die Themen ihrer Ausstellungen – ebenso wie mit den Titeln der Sandbilder – möchte sie über die rein ästhetischen Aspekte des Bildes hinausweisen und damit ihre tiefe Hochachtung vor der Schöpfung zum Ausdruck bringen. Die angefügten, selbst verfassten Texte, die die Bilder begleiten, weisen auf tiefere und auch kosmische Bereiche hin. „Kunst ist für mich Dinge zu finden und nicht danach zu suchen“, sagt Ruthild Tillmann. Sie spielt mit Formen und Farben und verwendet auch symbolische Zeichen. Weil sie ihre Sandbilder mit Naturmaterialien aus vielen Erdteilen gestalte, komme sie sich vor wie ein „Global Player“.
„Jeder Mensch ist ein Künstler!“ Von diesem Ausspruch von Joseph Beuys ist auch die Künstlerin Ruthild Tillmann aus Wolfsburg überzeugt. Schon vielen Menschen hat sie Anregungen gegeben, die Schönheiten der Natur auch im Kleinen wahrzunehmen, zu entdecken und auf spielerische Weise damit umzugehen.
„Wege des Seins“
„Bilder mit Sand aus aller Welt“ von Ruthild Tillmann
Eröffnung der Ausstellung begleitet von Harfenmusik mit Christiane Rosenberger ist am 10. August 2019 um 15:00 Uhr in der Propsteihalle des ➔ Klosters Ebstorf.
Die Ausstellung läuft vom 10. August bis zum 27. Oktober 2019 und ist Dienstag bis Samstag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr und Sonntag von 14.00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet.
Der Eintritt ist frei.
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