Holzbank in der blühenden Heidelandschaft der Lüneburger Heide

Das unsichtbare Dritte | „Stephan Reusse. Laser Works“ im Kunstmuseum Celle

Stephan Reusse  Leaving Shadows / IceChair 2011  Wärme-Restbilder auf Eisblöcken  thermographische Aufnahme, C-Print,   Foto: Stephan Reusse
Stephan Reusse
Leaving Shadows / IceChair 2011
Wärme-Restbilder auf Eisblöcken
thermographische Aufnahme, C-Print,
Foto: Stephan Reusse

Ein Stuhl aus Eis, darauf schemenhaft die Konturen eines Körpers. Hier hat Stephan Reusse gesessen. Die thermografische Aufnahme zeigt die Restwärme auf der Eisoberfläche wenige Minuten, nachdem der Künstler seinen Platz verlassen hat.

Die geisterhaft wirkende Erscheinung ist Teil der Ausstellung „Stephan Reusse. Laser Works“, mit der das Kunstmuseum Celle ab 31. März Einblick in das Schaffen des Kölner Medienkünstlers bietet. Zu sehen sind außerdem: die rot glühende Wärmeabstrahlung von Wölfen im nächtlichen
Wald, Temperaturspuren des Künstlers auf Thonet-Stühlen und Wasserflecken auf Wänden, die von der Thermografie in knallrot und pinkfarbene Colorfield Paintings verwandelt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt der Ausstellung sind Laser-Installationen mit vektorisierten Aufzeichnungen der Bewegungen von Menschen und Tieren. Sie halten, so beschreibt es Stephan Reusse selbst, als „künstlerische Psychogramme“ Bewegungsmuster fest, die das Wesen der Dargestellten auf eine unverwechselbare, existenzielle Essenz konzentrieren und die sich als unsichtbare skulpturale Formen in den Raum einschreiben.

Stephan Reusse: Mice, 2009 Laserinstallation – 14 Min. loop Foto: Stephan Reusse
Stephan Reusse: Mice, 2009
Laserinstallation – 14 Min. loop
Foto: Stephan Reusse

„Wir sehen nicht, dass wir nicht sehen.“ So hat der österreichische Physiker Heinz von Foerster die Blindheit des Menschen gegenüber den Grenzen seines Sehvermögens auf den Punkt gebracht. Reusse geht noch einen Schritt weiter und rückt ins Bewusstsein, was uns bei der Fokussierung auf das Visuelle an Wahrnehmungen entgeht. Mit Wärmebildkameras und Hochleistungslasern macht er „blinde Flecken“ sichtbar, die mit den beschränkten Wahrnehmungsmöglichkeiten der Augen nicht zu erfassen sind, aber die dennoch existieren und sich auf ihr Umfeld prägend auswirken.

Stephan und Hyunhee Reusse im Denver Art Museum Foto: Archiv Stephan Reusse
Stephan und Hyunhee Reusse im Denver Art Museum
Foto: Archiv Stephan Reusse

Zur Eröffnung der Ausstellung „Stephan Reusse. Laser Works“ am 31. März 2019 um 11.30 Uhr spricht die Kunsthistorikerin Dr. Marietta Franke. Der Künstler ist persönlich vor Ort. Weitere Informationen und Hinweise zum Begleitprogramm unter

Kulturpartner der Ausstellung ist die SVO Holding GmbH.

STEPHAN REUSSE (*1954 Pinneberg)

1980/86 Studium an HBK Kassel / Bildhauerei und Fotografie bei Harry Kramer
1988/89 Studium an CAL ARTS Los Angeles/New Hall in fine arts, USA bei John Baldessari, DAAD Stipendium
1987-1990 lebte und arbeitete in LosAngeles
1990-1995 Zeit der Unruhe mit mehreren Wohn- und Arbeitsplätzen (Lissabon, Kassel, Köln)
1997 Gast in Villa Romana
2007/08 längere Arbeitsaufenthalte in Asien (Mongolei und China)
2009 Beitrag zur EU Ratspräsidentschaft in Prag – laserwork „MICE“, span. Synagoge, Prag
2010 Kurator für „curated by“ Art & Film in Wien
seit 1995 lebt und arbeitet in Köln

Ausstellungen u.a.

Museum Maison Eurpéene de la Photographie / Paris – Kunstmuseum / Celle – Zentrum für Internationale Lichtkunst / Unna – Modern & Contemporary Art Museum / Denver, USA – Nam Jun Paik Museum / Yongin – 21st Century Museum of Contemporary Art / Kanazawa, Japan – Kunsthalle Rotterdam – Museum Fridericianum / Kassel – Artmasters / St.Moritz – Haus der Kunst / München – Akban / Istanbul – Museum für Gegenwarts-kunst / Glaspalast Augsburg – Museu de Arte Contempranea de Niteról / Brasilien – Kunstverein Kassel – Kunstverein Kronach – Kunstverein DG / München

öffentl. Sammlungen u.a.

Museum Maison Européene de la Photography, Paris – Kunstmuseum, Celle – Lichtkunstmuseum Unna / Centre for International Light Art, Unna – Museum Moderne Kunststiftung Ludwig (MUMOC), Vienna – Bayrische Staatsgemäldesammlung, München – Pinakothek München – Städtische Kunstsammlung
Augsburg – Kunst-museum Bonn – MaxPlanck Institut, Münster – Belvedere Museum, Vienna – Technikum, Vienna – EAM Kassel – Art Gallery of Nokia Scotia, Halifax – Collection Koc, Istanbul – Burger Collection, Hongkong – SpallArt Collection, Salzburg

Lehrtätigkeiten/Gastprofessuren

1997 CalArts, Los Angeles/New Hall
1999 California State University Long Beach, Los Angeles
2000-06 Kunsthochschule für Medien in Köln
2019 Universität für angewandte Kunst in Wien


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