Zu einem lehrreichen Abenteuer begrüßten die Niedersächsischen Landesforsten zwei Schulklassen der Wiesenschule Buchholz zum internationalen Tag des Waldes am 21. März in Ehrhorn.

Foto: Niedersächsische Landesforsten
Dabei gab es für die Zweitklässler erste Frühlingsboten im Wald und auf der Obstwiese zu entdecken. „Der Wald erwacht nun allmählich aus seinem Winterschlaf. Das Trommeln der Spechte ist weithin zu hören, am Waldboden lugen erste Blüten hervor – es duftet nach Frühling“ freut sich WPZ-Leiter Knut Sierk.
Zum internationalen Tag des Waldes verwandelte das Forstamt Sellhorn seinen Ehrhorner Wildapfel-Wald in ein grünes Klassenzimmer. Bei einem Waldmemory und einer Walderlebnisführung erlebten die kleinen Waldläufer die Natur mit allen Sinnen – einschließlich einer Geschmacksprobe von ‚wilden Äpfeln‘.
Die zwei Hektar große, von Kiefernwald umrahmte Apfelbaumfläche des Forstamtes wird für vielfältige waldpädagogische Angebote des Walderlebnis Ehrhorn genutzt. Bereits im letzten Jahr hatten Schüler im Jugendwaldeinsatz Laubengänge und Pflegepfade im Apfel-Wald angelegt. Die fleißigen Helfer sägten Kiefern und Birken ab, um Licht und Wuchsraum für die Apfelbäume zu schaffen.

Foto: H. J. Kelm/Niedersächsische Landesforsten
Zukünftig werden zertifizierte Wald- und Streuobstpädagogen die Besucher, vorrangig Kinder- und Jugendgruppen, in den Lebensraum Obstwiese und Wald einführen. Dabei werden sie gemeinsam Tiere und Pflanzen erkunden und die Apfelbäume pflegen. „Die Schüler können unsere Wildapfelfläche im Laufe der Jahreszeiten beobachten und selbst Hand anlegen“, sagt Förster Knut Sierk, „im Frühjahr die Blüte der Bäume, im Sommer die Reifezeit der Äpfel, im Herbst die Apfelernte und im Winter das Zurückschneiden der Zweige.“

Foto: T. Gasparini/Niedersächsische Landesforsten
Tjorven Wittfoht und Katharina Hedder betreuen das Projekt im Rahmen eines freiwilligen ökologischen Jahres (FÖJ) im Forstamt Sellhorn. „In Streuobstwiesen findet man bis zu fünftausend Tierarten, ungefähr dreihundert leben direkt von Apfelbäumen – davon allein siebzig Wildbienenarten“, erklärt Tjorven Wittfoht.
Auch Honigbienen werden zwischen den Apfelbäumen Pollen und Nektar sammeln. „Ein eigens errichteter Bienenzaun wird so gestaltet, dass Besucher auch das innere der Bienenkästen bewundern können“, ergänzt Katharina Hedder. Um die Pflege seiner Bienen im Bienenzaun kümmert sich Imker Dr. Friedrich Terjung aus Schneverdingen. An besonderen Thementagen können sich Besucher hier über die faszinierenden Insekten informieren.
Die „Kräutermanufaktur Tausendgrün“ wird die Apfelwiese mit ihrer besonderen Lage ebenfalls als Veranstaltungsort für Seminare nutzen. „Wir werden rund um das Thema Streuobstwiese weitere Veranstaltungen mit wechselnden Dozenten anbieten. So werden zum Beispiel Sensenkurse laufen oder Jörg Beck von Ameisenerlebniszentrum (DAEZ) wird den Blick der Besucher auf die Ameisen richten“, freut sich Knut Sierk.
Informationen und Termine finden Sie unter ➔ www.ehrhorn-heide.de
Hintergrundinfo
Die zwei Hektar große Wildapfelfläche wurde vor 25 Jahren als Versuchsfläche von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt angelegt, um den seltenen Wildapfel zu erhalten. Der Versuch wurde 2006 abgeschlossen, die in der Revierförsterei Heimbuch gelegene Fläche wurde an das Forstamt Sellhorn zurückgegeben. Obwohl keine veredelten Apfelbäume gepflanzt worden sind, kommen sowohl reine Wildäpfel als auch essbare Sorten auf der Fläche vor.
Der Wildapfel (Malus sylvestris)
Der Wildapfel (Malus sylvestris), auch Holzapfel oder Waldapfel genannt, ist die einzige hier natürlich vorkommende Apfelart. Ursprünglich in ganz Mitteleuropa verbreitet ist der Wildapfel heute sehr selten geworden und stark gefährdet. Vor allem die Umwandlung lichter Auwälder in Ackerland und das Vordringen der Rotbuche führten zum Verlust des natürlichen Lebensraumes. Nur wenige Exemplare überlebten in den Auwaldresten entlang der großen Flüsse oder haben in extensiv bewirtschafteten Wäldern und Gebüschen der Mittelgebirge eine Heimat gefunden.
Der Wildapfel ist sehr lichtbedürftig und mag warme, nährstoffreiche und feuchte Standorte. Aber auch auf ärmeren Standorten und selbst in den Alpen in Höhen bis 1.000 m findet man vereinzelt Vorkommen diese Art. Wildapfelbäume wachsen oft buschig und bleiben mit etwa 10 Metern meist relativ klein. Einzelne Exemplare können jedoch Höhen bis zu 20 m und ein hohes Alter von über 250 Jahren erreichen.
Im Gegensatz zu früheren Vermutungen war der bei uns heimische Wildapfel bei der Entstehung unserer modernen Kulturapfelsorten nur wenig beteiligt. Nach neueren Forschungen stammen diese überwiegend vom Altai-Apfel ab, einer Art aus Zentralasien. Vor über 2.000 Jahren, vermutlich über die Seidenstraße, gelangte der Altai-Apfel zum östlichen Mittelmeer und später durch die Römer zu uns nach Mitteleuropa.
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