Angetreten zum Federlesen: Im größten Vogelpark der Welt werden im Januar alle Jahre wieder die Bewohner buchstäblich auf Herz, Nieren und Federkiel gecheckt.
Während der Inventur aktualisieren Tierpfleger, Biologen und Tierärzte Datenblätter, Listen und Bestandsbücher, damit sich zur großen Wiedereröffnung Mitte März der Weltvogelpark und natürlich seine Bewohner von ihrer besten Seite präsentieren können.

Foto: Weltvogelpark Walsrode
Doch nicht nur beim großen Vogelcheck laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren, auch so wichtige Dinge wie das Futter müssen jetzt neu kalkuliert werden. Denn egal, um welche Vogelart es sich auch handelt, eines haben sie alle gemeinsam: großen Hunger. Dabei hat jede Vogelart ihren ganz eigenen Geschmack und ihre besonderen Vorlieben. Von Obst bis Fisch ist alles dabei.
Mit über 4.000 Vögeln aus 650 Arten und von allen Kontinenten ist der Vogelpark in Walsrode der größte der Welt. Vom scheuen Kagu über die frechen Keas bis zum gefährlichen Rothalskasuar – der Weltvogelpark Walsrode bietet eine in dieser Form einmalige Vielfalt an verschiedenen Vögeln. Diese müssen nicht nur gesundheitlich durchgecheckt, vermessen und gezählt werden, sondern vor allem eins: fressen. So bestellt der Weltvogelpark Walsrode im Laufe eines Jahres rund 84 Tonnen an Futter, das jetzt im Rahmen der großen Inventur neu kalkuliert und eingekauft wird – von den Blaubeeren für die Arassaris bis zu Tiefkühlfisch für die Pinguine oder Pelikane.
Kreativität im Blaubeerland
Um ausreichend Futter einzukaufen, stellt sich zunächst die Frage: Wie viele hungrige Schnäbel müssen dieses Jahr gefüttert werden? Die Zählung von Vögeln gestaltet sich jedoch nicht immer einfach. Hier greifen die Tierpfleger in die Trickkiste und locken die Vögel, wie zum Beispiel den Tukan, Wappenvogel des Weltvogelparks, mithilfe von Beeren aus ihren Verstecken hervor.

Foto: Weltvogelpark Walsrode
„Die Beeren werden in der Hochsaison von Juli bis Mitte September regional eingekauft und eingefroren, sodass sie das ganze Jahr über verfüttert werden können“, erklärt Janina Ehrhardt, Pressesprecherin des Weltvogelparks. Allein sieben Tonnen Blaubeeren werden über das Jahr gerechnet gefüttert. Insgesamt landen 35 Tonnen Obst und Gemüse in den Schnäbeln der Parkbewohner.
Fettpolster aus Fisch
Neben den Vegetariern unter den Vögeln gibt es auch Vogelarten, deren Leibspeise Fisch ist. So liegt der Fischbedarf des Weltvogelparks dank der Humboldtpinguine und der nimmersatten Pelikane bei insgesamt 25,5 Tonnen pro Jahr.

Foto: Weltvogelpark Walsrode
Ob diese gleichmäßig auf alle Pinguine verteilt werden, lässt sich zum Beispiel mittels eines Gewichtscheck feststellen. „Die Pinguine müssen sich genügend Fettspeicher anfressen, damit sie während der Brutzeit ausreichend Reserven haben, von denen sie zehren können“, erklärt Ehrhardt. „Normalerweise werden die Pinguine einfach gewogen, doch bei handzahmen Vögeln vermessen wir auch mal den Bauchumfang. Das mag ungewöhnlich klingen, ist aber eine gute Methode um festzustellen, ob sich die Statur des Pinguins verändert hat und kann so ein Indiz auf einen ausreichenden Fettspeicher sein.“ Da die Pinguine, durch die Mitmachfütterungen den direkten Kontakt mit den Pflegern gewohnt sind, ist das Vermessen und Wiegen für die erfahrenen Tierpfleger ein Kinderspiel. Das ist längst nicht bei jedem Vogel der Fall.
Die perfekte Eiweißquelle
Besonders wichtig ist die Gewichtskontrolle der Flugshowtiere. Hier müssen die Tierpfleger beim Wiegen des größten Greifvogels der Welt – dem Andenkondor – in die Trickkiste greifen. Dieser ist nämlich schlichtweg zu groß für die Vogelwaage. Zunächst wiegt sich ein Tierpfleger allein, um sich danach mit dem Jungvogel zusammen auf die Waage zu stellen. Die genaue Gewichtskontrolle ist hier notwendig, da so das Wachstum des Jungvogels beobachtet werden kann.
Bei den Greifvögeln wie Kondor oder Falke steht natürlich am liebsten Fleisch auf dem Speiseplan. Insgesamt werden in einem Jahr über 20 Tonnen Fleisch verfüttert. Allerdings gibt es neben Fleisch noch eine ganz andere Eiweißquelle für die Vögel: Insekten. Ganze zweieinhalb Tonnen landen so in einem Jahr in den Mägen der Vögel im Weltvogelpark. Dazu kommen noch knapp 31.000 Heimchen. Das sind kleine Grillen – sehr beliebte Futter- und Speiseinsekten.
Ob Fisch, Fleisch, Insekten, Obst oder Gemüse: Der Weltvogelpark Walsrode hat für jede einzelne Vogelart das richtige Futter parat. Spätestens Ende Februar ist das große Vermessen und Zählen beendet, sodass der Weltvogelpark am 23. März wieder seine Türen zur neuen Saison öffnen kann.
Über den Weltvogelpark Walsrode
In der Lüneburger Heide, im Dreieck zwischen Hannover, Bremen und Hamburg, liegt der Weltvogelpark Walsrode, der größte Vogelpark der Welt. Der Park beherbergt Tausende Vögel aus 650 verschiedenen Arten und allen Kontinenten in einer 24 Hektar großen Garten- und Erlebnislandschaft.
Besucher erleben spektakuläre Flugshows, Mitmachfütterungen, Vogelbabys und faszinierende Indoorattraktionen. Zudem sind sie eingeladen, spannende Themenhäuser, exotische Freiflughallen und artenreiche Vogelvolieren zu entdecken.
Zwischendurch laden 320 Sitzbänke zum Entspannen und Genießen ein. Liebevoll angelegte Beete, großzügige Teichanlagen und exotische Pflanzen entführen zusätzlich in eine andere Welt – einfach mal die Seele baumeln lassen und den Alltag links liegen lassen. Der magische Zauber unzähliger Baum- und Blumenarten bildet eine bunte und sich ständig verändernde Kulisse.
Für die kleinen Besucher gibt es tolle Spielplätze und für die Erwachsenen kostenlose Parkplätze. Ein Restaurant, Imbisse und Eiswagen laden für den kleinen und großen Hunger zwischendurch ein.
Das gesamte Areal ist behindertengerecht gestaltet. Wird ein Rollstuhl benötigt, kann er bei vorheriger Anmeldung kostenlos ausgeliehen werden.
Da Hunde in den Park nicht mitgenommen werden dürfen, gibt es zusätzlich eine kostenlose Unterbringung für die Vierbeiner.
Der Weltvogelpark öffnet am 23. März 2019 ab 10.00 Uhr seine Türen zur neuen Saison. Mehr Info: ➔ www.weltvogelpark.de.
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