Pfiffiges Schneiderlein prüft, ob die Weser „geiht“ oder „steiht“

bei der ein Schneider prüft, ob „de Werser geiht or steiht“.
Lea Kleinspehn/BTZ Bremer Touristik-Zentrale
Die Hauptperson kommt wie immer zu spät. Der Ausgang der Wette steht meist schon fest. Und dennoch warten zahlreiche Zuschauer am 6. Januar eines jeden Jahres auf ein ganz besonderes Spektakel am Bremer Punkendeich.
Die Hauptrollen übernehmen dabei ein kecker Schneider, die Heiligen Drei Könige, ein Präsidium mit Novizen sowie zahlreiche Pagen. Die Rede ist von der Bremer Eiswette, bei der die alljährliche Frage geklärt werden muss, ob „de Werser geiht or steiht“ – sprich: Ist der breite Weserfluss zugefroren oder nicht?
(Wort-)Witz mit Tradition
Die traditionsreiche Veranstaltung geht auf eine Wette von 1828 zurück und wird seitdem jedes Jahr aufs Neue von zahlreichen Schaulustigen verfolgt und beklatscht.
Bevor der unpünktliche Schneider sich ausgerüstet mit einem heißen Bügeleisen auf den Weg macht, die Weser trockenen Fußes zu überqueren, muss sein offizielles Gewicht geklärt werden: 99 Pfund, mehr darf er nicht auf die Waage bringen. Nicht mit in die Waagschale kommt dabei sein loses Mundwerk. Bereits beim Wiegen stellt er dieses zur Freude aller Zuschauer tüchtig unter Beweis mit kecken Neckereien und allerlei humorvollen Anspielungen auf die hohe Politik und aktuelle Ereignisse.
Zwei bekannte Bremer Honoratioren treten als „Notarius Publicus“ und „Medicus Publicus“ in dunklem Talar mit lockigen Perücken auf, geben der Veranstaltung den respektvollen Rahmen und steigen dennoch kräftig mit ein in das nicht immer ganz ernst gemeinte Wortgefecht. Für reichlich Schabernack und Spott ist also gesorgt, bevor der Schneider dank eines Bootes der Seenotretter unbeschadet über die Weser kommt, die aufgrund der Weservertiefung seit 70 Jahren nicht mehr zufriert.
Die Wette gilt!
Bei allem Klamauk hat das ganze Spektakel einen wichtigen Hintergrund: Der Wetteinsatz wird stets am dritten Januarsamstag in Form eines Stiftungsfestes eingelöst. Rund 800 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft kommen dafür zusammen und sammeln bei Speis und Trank Spenden für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, die ihren Sitz in Bremen hat und sich größtenteils aus Spenden finanziert. Im vergangenen Jahr kamen durch das Eiswettfest mehr als 450.000 Euro zusammen. In Bremen gilt es als große Ehre, an diesem Festessen teilzunehmen, welches ausschließlich für geladene Gäste stattfindet.
Keine Einladung hingegen benötigen Besucher, die am ➔ Bremer Traditionsmahl im Bremer Ratskeller teilnehmen. Gruppen ab zehn Personen genießen ein Sechs-Gang-Menü mit typischen Bremer Speisen, wie es sie auch beim Eiswettfest gibt. Der Ratskeller bietet dabei einen ebenso ehrwürdigen Rahmen. Nicht umsonst wird er das „köstliche Fundament“ des Bremer Rathauses genannt, das zusammen mit dem Bremer Roland zum UNESCO-Welterbe gehört. Termine für dieses historisch-kulinarische Angebot sind täglich auf Anfrage bei der Bremer Touristik-Zentrale möglich. Der Preis von 39 Euro gilt pro Person und zuzüglich Getränken.
Weitere Informationen, Tickets und Buchungsmöglichkeiten gibt es bei der Bremer Touristik-Zentrale unter Telefon: +49 421 3080010 oder im Internet unter ➔ www.bremen-tourismus.de.
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