
© Bachmann-Museum Bremervörde
In den vergangenen Wochen hat sich in der Möbelsammlung des Bachmann-Museums Bremervörde viel getan. Der Diplom-Restaurator Sven Gödeke und sein Mitarbeiter William Adam aus Hamburg haben sich intensiv mit zehn großen Objekten der Museumsammlung beschäftigt.
Aus Platznot lagen die Möbel seit vielen Jahren auseinandergebaut in Regalen im Museumsdepot. Durch den Umbau einer Rollregalanlage konnte in diesem Jahr der Platz geschaffen werden, um die Möbel nun wieder in ihrer vollen Größe aufzubauen. „Für mich sind dies spannende Momente, denn ich lerne gerade wieder einmal Objekte aus unseren Sammlungen ganz neu kennen“, freut sich die wissenschaftliche Mitarbeiterin Meike Mittmann, die das Projekt betreut.
Die großzügige Förderung durch den Landschaftsverband Stade hat die Tätigkeit von Sven Gödeke, einem studierten Restaurator und Spezialisten für alte Möbel, überhaupt erst möglich gemacht. Bereits seit 1991 gibt es das Förderprogramm „Bewahren von Museumsbeständen“ des Landschaftsverbandes Stade mit Mitteln des Landes Niedersachsen, durch das Museen beim Erhalt ihrer Bestände unterstützt werden.
Möbel aus dem 18. und 19. Jahrhundert
Die in diesem Jahr bearbeiteten Möbel stammen aus dem 18. und 19. Jahrhundert und haben eine besondere Bedeutung für das Museum. Das größte Objekt ist ein etwa 2,20 Meter hoher Kleiderschrank aus der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts. Bevor die leicht verbogenen Einzelteile vorsichtig wieder zusammengefügt werden konnten, überprüfte Sven Gödeke jedes Teil, reinigte es und leimte gelöste Furniere. Alle Arbeiten erfolgten in enger Absprache mit Meike Mittmann, denn für das Museum können Gebrauchsspuren und Beschädigungen wichtige Bestandteile des Objektes und seiner Geschichte sein. „Weniger ist mehr“, beschreibt Sven Gödeke daher auch seine Arbeit, „ je weniger ich als Restaurator eingreife oder verändere, desto authentischer und unverfälschter bleibt das Objekt“.
So fallen auch nach der Beendigung der Arbeit von Sven Gödeke an dem imposanten Schrank schon beim ersten Hinsehen einige Schäden an den Schranktüren auf, außerdem ein zerstörtes Türschloss und Absplitterungen am Türanschlag. Diese Beschädigungen stammen aus dem Jahr 1945. Damals stand der Schrank in Bremervörde im Wohnhaus der Familie Bachmann in der Wesermünder Straße. Dort befand sich auch das von dem Gründer der Museumssammlung, dem Heimatforscher August Bachmann, geführte private Museum. In den letzten Kriegsmonaten 1945 explodierte eine Granate im Eingangsbereich des Hauses und Granatsplitter schlugen in die Schranktüren ein. Außerdem verschafften sich Plünderer in dieser Zeit Zugang zum Haus und brachen dabei das Schloss des Schrankes auf – obwohl der gar nicht abgeschlossen war.
Mit diesen Spuren der Geschichte ist der Schrank für das Bachmann-Museum nicht nur ein eindrucksvolles Objekt der Wohnkultur des 18. Jahrhunderts, sondern auch ein Zeugnis für die Geschichte Bremervördes in den letzten Kriegsmonaten des Jahres 1945. Der Schrank wird jetzt, zusammen mit den anderen wieder zusammengesetzten Möbeln, neu fotografisch dokumentiert. Das Museumteam hofft, ihn oder eines der anderen Möbelstücke demnächst in einer neuen Dauerausstellung zeigen zu können.
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