Holzbank in der blühenden Heidelandschaft der Lüneburger Heide

Kristalle, Pilze und ein Teepavillon am Ententeich

Der Springhornhof weiht zwei neue Landschaftskunstwerke ein

"The Folly of George III." Kunstwerk von Nils Norman Foto: Kunstverein Springhornhof
Neues Landschaftskunstwerk in Neuenkirchen: „The Folly of George III.“ von Nils Norman
Foto: Kunstverein Springhornhof

Am kommenden Samstag, den 12. September 2015 werden in Neuenkirchen in der Lüneburger Heide zwei neue Stationen des „Projekts Kunst-Landschaft“ eingeweiht.

Der Brite Nils Norman und der Däne Tue Greenfort beschäftigen sich jeder auf seine Weise mit ökologischen Prozessen, Landschaftsbildern und den veränderlichen Beziehungen des Menschen zur Natur.

Kunstverein und Stiftung Springhornhof laden aus diesem Anlass ab 16.00 Uhr ein zu einem Nachmittag mit Künstlergesprächen, kurzen Vorträgen, Kaffee und Kuchen und Abstechern per Fahrrad oder PKW zu den neuen Landschaftskunstwerken.

Zu Wort kommen der Künstler Tue Greenfort, Pilzexperte Jörg Albers, Kulturlandschaftsforscher Florian Friedrich, Kunsthistorikerin Dr. Barbara Uppenkamp, Kuratorin Bettina von Dziembowski und Vorstand Prof. Dr. Martin Warnke.

„Vitalismus Mechanismus“ von Tue Greenfort

Unter dem Titel „Vitalismus Mechanismus“ geht es bei Tue Greenforts Beitrag um den natürlichen Kreislauf des Werdens und Vergehens in der Natur. Im Zentrum einer zu einem Ausstellungsraum umfunktionierten Scheune steht ein brunnenartiger Edelstahlbehälter mit einer Baumwurzel. Aus Düsen wird die Wurzel mit Harnstofflösung benetzt. Die sich mit der Zeit ausformenden Kristalle lassen bizarr geformte Gebilde entstehen, die faszinierend und desillusionierend zugleich sind. Ohne Düngung durch industriellen Harnstoff ließe sich der enorme Hunger der wachsenden Menschheit kaum stillen.

Zweiter Teil von Greenforts Kunstinstallation sind zwei im Sturm umgestürzte Bäume an denen man Zersetzungsprozesse durch Pilze und andere Organismen beobachten kann. Tue Greenfort gehört heute zu den wichtigsten Vertretern einer interdisziplinären, an der Schnittstelle von Ökologie und Ökonomie, Mensch, Natur und Umwelt operierenden Kunst.

„The Folly of George III.“ von Nils Norman

Der Künstler und Architekt Nils Norman hat eine marode Grillhütte am Neuenkirchener Dorfteich in einen lichten, luftigen Ort zum Verweilen umgestaltet, der sich in die Landschaft und zum Wasser öffnet. Der Titel „The Folly of George III.“ (Die Verrücktheit von Georg III.) bezieht sich auf die kapriziösen Zierbauten, die zur beliebten Ausstattung englischer Landschaftsparks des 18. Jahrhunderts gehörten.

Das mosaikartige Dekor des achteckigen Pavillons mit umlaufender Terrasse und Steg zum Wasser zitiert hier jedoch nicht das antike Griechenland, sondern die kleinteilige Parzellierung der Felder wie sie rund um Neuenkirchen bis ins 19. Jahrhundert üblich war. Die Wetterfahne, die den „Folly“ krönt, repräsentiert den „Bauernkönig“ Georg III. Regent von England und Hannover. Die unter seiner Herrschaft in Gang gesetzten Reformen führten zu einer massiven Veränderung der Agrarlandschaft in weiten Teilen Europas.

Anlässlich der Einweihung erscheint das Begleitbuch „Landschaftskunst & Kulturlandschaft“ mit Texten und Abbildungen zu den mehr als vierzig Neuenkirchener Landschaftskunstwerken, einem erweiterten Lageplan sowie Beiträgen zu Ökologie und Kulturgeschichte der Region.

Die Arbeiten von Nils Norman und Tue Greenfort sind Teil der Reihe „Offenland – Landschaftskunst in der Umweltkommunikation“, einem Modellvorhaben in Zusammenarbeit mit der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, der Stiftung Niedersachsen, der EU-Gemeinschaftsinitiative Leader + und dem Lüneburgischen Landschaftsverband.

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