Neue Sonderausstellung im Museumsdorf Hösseringen eröffnet

Foto: Museumsdorf Hösseringen
Am liebsten hätte er sich noch einmal hinter das Steuer seines ➔ alten Hanomag gesetzt. In der Fahrerkabine und dahinter hat Hans-Dieter Barenschee viel Zeit verbracht, denn der graue Transporter war für den Schlachter und Ladeninhaber aus Barum viele Jahre lang nicht nur ein Fahrzeug, sondern als mobiler Laden sein Arbeitsplatz und Lebensunterhalt. Ein Einsteigen war leider nicht mehr möglich, denn der Transporter ist nun ein Exponat in der neuen Sonderausstellung des Museumsdorfes Hösseringen. Diese weckte nicht nur bei Hans-Dieter Barenschee und seiner Frau Margret Erinnerungen an alte Zeiten.
➔ „Und ist der Handel noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein – Höker und Kaufleute auf dem Lande“ ist der Titel der Schau, die am Sonntag eröffnet worden ist. Eingeladen waren auch all die vielen Leihgeber und Spender, die dazu beigetragen haben, die Ausstellung möglich zu machen.
„Wir hatten eine außerordentlich große Unterstützung. Das zeigt, wie verwurzelt das Museumsdorf in der Region ist“, sagte Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm, der sich besonders freute, dass zu den vielen Ausstellungsstücken aus der Lüneburger Heide, die zum großen Teil von Museumspädagoge Günther Reimers zusammengetragen worden sind, auch die Geschichten aufgeschrieben werden konnten.

„Wir haben mehr als 20 Jahre lang gesammelt. Die Mühe hat sich gelohnt“, so Brohm. Mit Blick auf das voll besetzte Haupthaus des Brümmerhofes fügte der Vorsitzende des Museumsvereins, Jörg Hillmer, hinzu: „Diese Ausstellung zeigt auf, wie der Handel das Leben der Menschen beeinflusste. Wir haben offenbar das richtige Thema getroffen.“
Thorsten Pils, stellvertretender Vorstandvorsitzender der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg, schlug den Bogen zum Heimatbegriff. „Heimat gibt Sicherheit und Identität und ein gutes Gefühl. Das brauchen wir in einer globalisierten Welt. Sie zeigen an regionalen Beispielen auf, wie sich ein ganzer Wirtschaftszweig verändert hat. Das ist topaktuell“, so Pils.
Inhaltlich erarbeitet wurde die Exposition von Günther Reimers und der Suderburger Historikerin Dr. Christine Böttcher, die in ihrer Einführung auch die „Kehrseite der Medaille“ ansprach: „Viele kleine Existenzen wurden gegründet und verschwanden wieder. Oft war der Lebensunterhalt mit gnadenloser Selbstausbeutung verbunden.“
Für Thea Rae war es ein ganz besonderes Gefühl, an diesem Tag noch einmal die alte Ladentür des elterlichen Geschäftes öffnen zu können. „Genauso ist es gewesen“, sagte sie zum Klang der Türglocke, die einst im Holdenstedter Tabakladen Schönhube einen Kunden ankündigte. Sie selbst hatte hier hinterm Tresen gestanden und verkauft. Wenn zwischendurch Zeit blieb, drehte sie Zigarren, denn zum Laden von Familie Schönhube gehörte eine Zigarrenfabrik.

Foto: Museumsdorf Hösseringen
Manfred Fricke aus Lüneburg entdeckte in der Ausstellung nicht nur die Margarinefiguren, die er als Kind gesammelt hatte, sondern auch ein Bild von sich selbst. Erika Kien aus Oldenstadt freute sich über den Nachlass ihres Vaters, der sich als Flüchtling nach dem Zweiten Weltkrieg als „fliegender Händler“ einen ersten Lebensunterhalt aufgebaut hatte, und Julia Litzahn aus Vastorf sah mit ganz neuem Blick auf die alten Magazine und Dosen aus dem Kaufmannsladen ihres Onkels. „Es ist ein gutes Gefühl, dass diese Dinge im Museumsdorf eine sinnvolle Bestimmung gefunden haben“, sagte sie.
Die Ausstellung wird bis zum 31. Oktober 2017 im Museumsdorf Hösseringen gezeigt und kann von dienstag bis sonntags sowie feiertags von 10.30 bis 17.30 Uhr besichtigt werden.
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