Der Neubau des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg im Innenhof der Heiligengeiststraße 38, der künftig als zentrales Eingangsgebäude für den gesamten Museumskomplex dienen wird, ist fertig gestellt. Das Museumsteam freut sich, den Museumsbesuchern dort ab dem 12. März 2016 interessante Sonderausstellungen vorstellen zu können. Bis das gesamte Museum mit seinen umgestalteten Dauerausstellungsräumen wiedereröffnet, vergehen allerdings noch einige Monate.
Die Modernisierung und Erweiterung des Ostpreußischen Landesmuseums wird unterstützt von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen, dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, der Deutschbaltischen Kulturstiftung, der Klosterkammer Hannover sowie der Stiftung Niedersachsen.
Die Eröffnung der ersten Sonderausstellung „Wolfskinder – Verloren zwischen Ostpreußen und Litauen“ wird auch gleichzeitig die Einweihung des Neubaus, des künftigen Eingangsgebäudes des Ostpreußischen Landesmuseums und des Brauereimuseums, sein.
Sonderausstellung WOLFSKINDER – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“
Hunderttausende Deutsche flohen Ende des Zweiten Weltkrieges vor der Roten Armee aus Ostpreußen und Königsberg. Immer wieder gingen Kinder auf der Flucht verloren oder erlebten die Ermordung der eigenen Familie. Andere mussten ohnmächtig mit ansehen, wie ihre Geschwister verhungerten, die Großeltern aus Schwäche starben oder die Mutter einer Epidemie erlag.
Auf sich alleine gestellt, versuchten diese Kinder in der freien Natur des Baltikums zu überleben. Gegen Hunger, Kälte und sowjetische Willkür führten sie einen Kampf um Leben und Tod. Einige fanden Unterschlupf bei litauischen Bauern, die sie heimlich aufnahmen und notdürftig versorgten. Im Gegenzug halfen die Kinder auf den Höfen aus.
Eine Schulbildung blieb den meisten verwehrt, ein Großteil kann bis heute weder lesen noch schreiben. In der Regel erhielten die Kinder eine neue Identität und litauische Namen, um ihre Herkunft zu verschleiern. So blieben sie Jahrzehnte hinter dem Eisernen Vorhang zurück, ohne dass ihr Schicksal einer größeren Öffentlichkeit bekannt war. Seit dem Fall der Sowjetunion Anfang der neunziger Jahre veränderte sich auch das Leben der Wolfskinder.
Wanderausstellung über das Schicksal der Wolfskinder
Die Wanderausstellung – in Kooperation mit dem Deutschen Kulturforum östliches Europa – dokumentiert in nie zuvor gezeigten Bildern und Textzeugnissen den Weg der Wolfskinder bis heute.
Die Ausstellung basiert auf einem Oral History Projekt der Fotografin Claudia Heinermann und der Journalistin Sonya Winterberg. Für diese einzigartige Dokumentation reisten sie über mehrere Jahre nach Litauen, um die dort lebenden Wolfskinder zu besuchen. Mit ihnen sprachen sie über die Erlebnisse der Kindheit, die Flucht und das Leben hinter dem Eisernen Vorhang – ohne Wurzeln und voll der Sehnsucht nach Familie und Verwandten. Ihre bewegenden Schicksale werden so dem Vergessen entrissen und öffnen sich zu einem vielschichtigen Panorama der Zeitgeschichte.
Sonderausstellung „WOLFSKINDER – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“
Vom 12. März – 29. Mai 2016 im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg.
Eintritt:
3,00 € / 2,00 €
Öffnungszeiten:
Dienstag – Sonntag: 12.00 – 17.00 Uhr
Begleitprogramm zur Ausstellung
- Vortrag: Flüchtlinge und Asylrecht mit Prof. Dr. Otto Luchterhandt, Lüneburg im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 8. März 2016
- Eröffnung der Ausstellung „Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 11. März 2016
- Podiumsdiskussion im Rahmen der Ausstellung „Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 12. März 2016
- Führung durch die Ausstellung „Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 13. März 2016
- Vortrag: „Wohin sollten wir gehen?“ Displaced Persons zwischen NS-Herrschaft und Nachkriegsordnung im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 17. März 2016
- Lesung: „Mein Name ist Maryté“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 21. März 2016
- Lesung: „Das Wiegenlied der Wolfskinder“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 6. April 2016
- Vortrag: „Erst kamen die Amis, um uns zu beschützen, und nun sind die Russen da“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 28. April 2016
- Führung durch die Ausstellung „Wolfskinder – Verlassen zwischen Ostpreußen und Litauen“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 22. Mai 2016
- „Lebenslang Wolfskind.“ Die schwere Last nicht mitteilbarer Erinnerungen – Vortrag im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 25. Mai 2016
- Vortrag: „Möge unser Ort davor bewahrt bleiben… – Die Aufnahme der Flüchtlinge und Vertriebenen nach 1945 und die Folgen“ im Ostpreußischen Landesmuseum Lüneburg am 2. Juni 2016
SCHÖNE-HEIDE-Buchtipps zum Thema
- Wir sind die Wolfskinder: Verlassen in Ostpreußen*
- Mein Name ist Maryte: Roman (Bibliothek der Entdeckungen Bd. 9)*
- Wolfskind: Die unglaubliche Lebensgeschichte des ostpreußischen Mädchens Liesabeth Otto*
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