Vom 22. September bis zum 26. Februar 2017 widmet sich die ➔ Kunststätte Bossard erstmalig der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft des Künstlerpaares Johann und Jutta Bossard. Die Ausstellung „Kunst. Vision. Gemeinschaft. Das Künstlerpaar Johann & Jutta Bossard“ wurde am Mittwochabend, 21. September 2016 eröffnet.

(von links: Dr. Martin Lockert von der Else und Heinrich Klindworth-Stiftung, Leiterin Dr. Gudula&nsp;Mayr,
Uwe Harden, stellvertretender Landrat des Landkreises Harburg)
Foto: Kunststätte Bossard
Das Interesse an der bis dato wenig beleuchteten Symbiose der beiden Künstler ist groß, wie Fragen bei Führungen immer wieder zeigen. Wer hat was zum Gesamtkunstwerk beigetragen? Wie funktionierte die Arbeitsteilung? Welche Arbeiten stammen ausschließlich von Jutta Bossard?
„Die Betrachtung des Lebenswegs Jutta Bossard-Krulls schließt sich sehr stimmig an das Thema weiblicher Künstlerschicksale der letzten Ausstellung „Die Malweiber von Paris“ an“, stellt der stellvertretende Landrat Uwe Harden in seiner Eröffnungsrede fest. „Wir wünschen der Kunststätte Bossard, dass sie diesen großen Publikumserfolg des Sommers damit weiterführen kann.“
Die Künstlerin Jutta Bossard-Krull

Foto: Kunststätte Bossard
Carla Augusta Elsine Dorothea Krull wurde am 6. Juli 1903 als jüngstes von sechs Geschwistern in Buxtehude geboren. Unprätentiös wurde der Rufname auf „Jutta“ reduziert.
Kunsthandwerkliches lag der Schülerin des Lyzeums Stade sehr. 1921 durfte sie ihr Studium an der Kunstgewerbeschule am Lerchenfeld in Hamburg aufnehmen. Als Hauptfach wählte sie anfangs „Keramik“, wechselte dann zur Bildhauerei unter Professor Michael. Bossard.
Zu ihrem Studienabschluss hatten die Eltern ihr eine Reise nach Paris versprochen. Dazu kam es nicht. Johann Bossard machte seiner knapp 30 Jahre jüngeren Schülerin bei ihrem Abschiedsbesuch an der Kunststätte im Jahre 1925 einen Heiratsantrag.

Foto: Kunststätte Bossard
„Von da an nahm die Entwicklung des Gesamtkunstwerkes eine andere Fahrt auf“, schildert Leiterin und Kuratorin Dr. Gudula Mayr in ihrer Einführung. „Sowohl Jutta Bossard als Künstlerin als auch ihre Eltern und Geschwister als tatkräftige Helfer waren für das Fortschreiten des Gesamtkunstwerkes von unschätzbarem Wert.“ Vor allem die Schwester Wilma Krull, die ab 1929 die Bewirtschaftung von Haus und Hof übernahm, hielt dem Künstlerpaar den Rücken frei.
Der Chor „Das Hittfelder Dutzend“, Kulturpreisträger des Landkreises Harburg, unterstrich mit seinen stimmigen Einlagen wie „Sternseherin Lise“, eine Vertonung des Gedichtes von Matthias Claudius oder „Liebst du um Schönheit“, ein „Gemeinschaftswerk“ des Künstlerpaares Schumann-Wieck, die anekdotenreiche Einführung Mayrs.
„Liebe Jutta, meine süße Herzensflucht“

Die drei Gesichter meiner Frau, 1932
Foto: Kunststätte Bossard
„Für die Ausstellung wurden auch die privaten Briefe zwischen Johann und Jutta Bossard erstmals ausgewertet. Es ist anrührend zu lesen, wie liebevoll und umsichtig die beiden miteinander umgingen.“ „Liebe Jutta, meine süße Herzensflucht“ (19.10.1937), „Liebe Jutta, zauberkundige Herzenströsterin“ (02.04.1941). Berührende, zärtliche Worte, die aus der Feder Johann Michael. Bossards vielleicht manchen überraschen mögen. Die Leidenschaft für die Kunst war in der Partnerschaft aber eine wichtige Konstante, und so war es ihnen an ihrem Hochzeitstag zum Beispiel wichtiger, künstlerisch zu arbeiten, als eine große Feier zu veranstalten.
Die Ausstellung zeigt im Schwerpunkt Porträtköpfe, Kunsthandwerk und Keramiken von Jutta Bossard–Krull, die in Dialog mit Werken ihres Mannes treten. Das innige Verhältnis des Paares wird mit Porträts hervorgehoben, die das Paar wechselseitig vom anderen malte. Ergänzt werden sie durch historische Aufnahmen und Originalmanuskripte.
Die Ausstellung wird von der Else und Heinrich Klindworth-Stiftung gefördert und wird zu den regulären ➔ Öffnungszeiten und ➔ Eintrittspreisen zu sehen sein. Mehr Informationen unter ➔ www.bossard.de.
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