
© Kunststätte Bossard
Im Klostergarten hat sie für ihren Schönheitsschlaf eigentlich einen idealen Platz: „Die Träumende“, eine Plastik von Jutta Bossard-Krull, ist stark verwittert und braucht ganz dringend eine „Frischzellenkur“.
Der Polyesterabguss, der in der Nische am Ende des ummauerten Gartenbereichs gleich hinter dem Wohnhaus zu finden ist, stammt aus dem Jahr 1980. Der Plastiker und Bronzekünstler Johannes Peyser, langjähriger Vertrauter der ➔ Kunststätte Bossard, wird sich der Restaurierung annehmen und der Schönen kurzfristig den Schlaf rauben.
Der edlere Bronzeabguss der Träumenden, die die Künstlerin bereits um 1930 schuf, reiht sich in die Skulpturenreihe ihres Ehemannes Johann Bossard vor dem Kunsttempel ein.
Der Künstler Johannes Peyser
„Leider wurden die Formteile aus Glasfaser damals nur unzureichend zusammengesetzt. So haben die Jahre ihre Spuren hinterlassen. “, muss Johannes Peyser feststellen. Nur ausnahmsweise nimmt er sich dieser restauratorischen Arbeit an der Kunststätte an. Seit 2006 veranstaltet der Künstler seinen beliebten Kurs „Von der Idee zum Bronzeguss“ 1 bis 2 Mal im Jahr an der Kunststätte an.

© Kunststätte Bossard
Namhafte Häuser gehören zu seinen Wirkungsstätten wie das Hamburger Schauspielhaus oder die Hamburgische Staatsoper, wo er als Theaterplastiker arbeitete. Lange Jahre unterlagen ihm die Betreuung der plastischen Werke und Bronzeskulpturen von Paul Wunderlich, lehrreiche und reiseintensive Jahre, wie er sich erinnert. Heute ist er ein Meister seines Faches. „Die Träumende aus dem Klostergarten wird sich vermutlich nach dem Eingriff optisch nicht mehr sehr von ihrer bronzenen Schwester unterscheiden.“
Studiert hat Johannes Peyser u.a. an der HfBK in Hamburg, der Folgeinstitution der Staatlichen Kunstgewerbeschule am Lerchenberg, wo auch Johann Bossard von 1907 bis 1944 Bildhauerei lehrte und Jutta Bossard-Krull bis 1926 seine Schülerin war. Viel Zeit für eigene Projekte in der Größenordnung der Träumenden blieb Jutta Bossard-Krull im Alltag mit Johann Bossard nicht.
Jutta Bossard-Krull
Nach der Heirat 1926 widmete sich das Paar mit vereinten Kräften dem Aufbau und der Ausgestaltung der Kunststätte. Die ganz eigene Handschrift Jutta Bossards an diesem expressionistischen Gesamtkunstwerk ist dabei nur teilweise auszumachen. Oft arbeiteten sie im gleichen Raum und am gleichen Gewerk, wie beispielsweise beim Mosaikboden des Kunsttempels. Ab 24. September 2016 wird mit der neuen Sonderausstellungen „Kunst. Vision. Gemeinschaft. Das Künstlerpaar Johann und Jutta Bossard.“ diese symbiotische Arbeitsweise eingehend beleuchtet.
Welches Werk, so fragt man sich unwillkürlich vor allem im Kontext zur derzeitigen Sonderausstellung ➔ Die Malweiber von Paris. Deutsche Künstlerinnen im Aufbruch hätte Jutta Bossard-Krull wohl ohne die Ehe mit Johann Bossard geschaffen? Wie die derzeitig vorgestellten Malerinnen und Bildhauerinnen wollte sie eigentlich 1926 zu Studien nach Paris gehen, stellte dann jedoch für das Werk und die Idee ihres Mannes ihre ureigene Karriere hintenan. Die Kunstmetropole Paris wurde trotzdem besucht, allerdings erst 1938 und „nur“ als Urlaubsreise. Die aktuelle Ausstellung zu den Pariser „Malweibern“ ist noch bis einschließllich 11. September 2016 zu besuchen.
➔ Bildergalerie Kunststätte Bossard in Jesteburg-Lüllau
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